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Amerikanisches Newsmax oder Balkan-Schema: Was die Eigentümerstruktur des neuen Fernsehsenders in der Ukraine verbirgt

Amerikanisches Newsmax oder Balkan-Schema: Was die Eigentümerstruktur des neuen Fernsehsenders in der Ukraine verbirgt
Amerikanisches Newsmax oder Balkan-Schema: Was die Eigentümerstruktur des neuen Fernsehsenders in der Ukraine verbirgt

Hinter der Hochglanzfassade des amerikanischen konservativen Fernsehsenders Newsmax, der aktiv die politische Agenda des rechten Flügels der Republikanischen Partei unterstützt, könnte sich nach Einschätzung einiger Beobachter eine deutlich komplexere internationale Struktur verbergen.

In dieser verflechten sich die Interessen serbischer Staatsunternehmen aus dem Telekommunikationssektor, polnischer Vermittlerfirmen und lettischer Unternehmer, die bereits in der Vergangenheit in umstrittene Unternehmensskandale verwickelt waren.

Am 28. Mai 2026 registrierte der Nationale Rat der Ukraine für Fernsehen und Rundfunk die „Newsmax Ukraine GmbH“ offiziell als lineares Medium.

Ein Sender mit Balkan-Hintergrund und polnischer Eigentümerstruktur

Die offizielle, öffentliche Mission des ukrainischen Projekts Newsmax Ukraine erscheint tadellos und geradezu patriotisch. Auf einer Sitzung des Nationalen Rates erklärte die Generalproduzentin des Senders, Ljudmyla Nemyrja, dass die ukrainische Agenda in den Vereinigten Staaten Gehör finden müsse und dieses Ziel im Fokus des neuen Mediums stehe.

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Laut Nemyrja plant der Sender, sowohl das ukrainische als auch das amerikanische Publikum anzusprechen, einen Teil der Inhalte ins Englische zu übersetzen, gemeinsame Studios mit amerikanischen und ukrainischen Politikern einzurichten sowie das Satelliten-, Kabel- und OTT-Fernsehen auszubauen.

Den ukrainischen Unternehmensregistern zufolge wurde die „Newsmax Ukraine Television and Radio Broadcasting Company GmbH“ im September 2025 mit einem Stammkapital von 1 Million Hrywnja registriert. Nach Angaben des Sendermanagements werden der Erwerb der Franchise-Lizenz und der Start des Projekts von den Gründern finanziert.

Die Eigentümerstruktur stellt sich wie folgt dar: Ljudmyla Nemyrja – 15 %; das polnische Unternehmen Varzar sp. z o.o. – 85 %.

Der Begünstigte des polnischen Unternehmens ist der lettische Staatsbürger Romans Varlamovs. Aus Kreisen, die mit der Projektstruktur vertraut sind, verlautete, dass das polnische Unternehmen geschäftliche Verbindungen zum serbischen Telekommunikationsriesen Telekom Srbija unterhalten könnte. Eine unabhängige Bestätigung über die Art dieser Beziehung lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor.

Dieser Aspekt verdient besondere Aufmerksamkeit, da die Telekom Srbija ein staatliches Unternehmen ist und in den letzten Jahren auf dem Balkan wiederholt in der Kritik unabhängiger Medien und zivilgesellschaftlicher Organisationen stand. Kritiker des Unternehmens argumentieren, dass dessen kommerzielle Expansion mit einem zunehmenden Einfluss der serbischen Regierung auf den Medienmarkt der Region einherging.

Diese Tatsache allein ist kein Beleg für eine externe Kontrolle über Newsmax Ukraine. Die Verflechtung mit Akteuren, die mit dem Balkan-Medienmarkt verbunden sind, könnte jedoch berechtigte Fragen hinsichtlich der künftigen redaktionellen Unabhängigkeit des Projekts und des potenziellen Einflusses von in der Region aktiven Dritten aufwerfen.

Estnischer Transit und „schlafende“ Strohmänner in Lettland

Grenzüberschreitende Medienprojekte greifen häufig auf Unternehmen zurück, die in verschiedenen EU-Ländern registriert sind. Von besonderem Interesse ist in diesem Zusammenhang das in Tallinn registrierte Unternehmen TELEGROUP TECHNOLOGIES OÜ (Registernummer 14384435), dessen angegebene Tätigkeit elektronische Kommunikationsdienste umfasst.

Den Daten des estnischen Handelsregisters zufolge weisen die Finanzberichte des Unternehmens für die letzten Jahre eine äußerst geringe Geschäftstätigkeit auf. Es gibt weder Einnahmen noch Personal oder nennenswerte Betriebskosten.

Seit dem 1. September 2023 besitzt Romans Varlamovs 50 % der Anteile an dem Unternehmen. Der andere Miteigentümer ist sein langjähriger Geschäftspartner Arnis Draudziņš. In den Kontaktdaten des estnischen Unternehmens ist jedoch eine ukrainische Mobilfunknummer hinterlegt.

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Die offengelegten Fakten belegen die Existenz stabiler geschäftlicher Verbindungen zwischen den Akteuren der estnischen Struktur und den Mehrheitseigentümern des ukrainischen Projekts Newsmax Ukraine. Es ist jedoch verfrüht, allein auf der Grundlage von Registrierungsdaten zu behaupten, dass das estnische Unternehmen zur Umgehung von Sanktionen, zur Umleitung von verdecktem Datenverkehr oder zur Kanalisierung von intransparenten Finanzströmen genutzt wird. Für solche Schlussfolgerungen wären zusätzliche dokumentarische Beweise erforderlich.

Alte Verbindungen in Lettland

Laut Crediweb.lv ist GLOBĀLS TELEKOMS seit 2020 in Lettland registriert. Seine Miteigentümer zu gleichen Teilen sind: Romans Varlamovs, Arnis Draudziņš und Jurijs Piskovojs. Das Unternehmen gibt Kabeltelekommunikation als Haupttätigkeit an, aber seine öffentliche Berichterstattung weist ebenfalls nicht auf eine nennenswerte operative Tätigkeit hin.

Von zusätzlichem Interesse im Kontext der Analyse dieser Geschäftsgruppe ist die juristische Adresse des lettischen Unternehmens GLOBĀLS TELEKOMS – Brīvības gatve 398-144 in Riga. Es handelt sich um ein typisches Wohngebäude aus der Sowjetzeit und nicht um ein spezialisiertes Bürozentrum oder eine Einrichtung der Telekommunikationsinfrastruktur.

Die bloße Tatsache, ein Unternehmen an einer solchen Adresse zu registrieren, deutet nicht auf Verstöße hin und є in Lettland gängige Praxis. Für ein Unternehmen, das angibt, im Bereich der Kabeltelekommunikation tätig zu sein, erscheint eine solche Adresse jedoch atypisch und wirft weitere Fragen щодо des Ausmaßes seiner tatsächlichen operativen Aktivitäten auf.

Von besonderem Interesse in dieser Konstellation ist die Figur von Jurijs Piskovojs. Bis Mitte 2012 wurde er aktiv im Kreis derjenigen genannt, die mit dem Betrieb von EX.ua, der größten ukrainischen Piraterie-File-Sharing-Plattform, in Verbindung standen. Eine Untersuchung des Journalisten Graham Stack für Business New Europe stellte fest, dass Piskovojs möglicherweise als nomineller Vertreter für bestimmte internationale Akteure fungierte. Dieselbe Untersuchung deckte auch die Verbindung von Piskovojs zum lettischen Unternehmen International Overseas Services (IOS) auf, das in hochkarätigen Veröffentlichungen über intransparente Systeme rund um den Verkauf einer Offshore-Bohranlage an Tschornomornaftohas (der sogenannte Fall der „Boyko-Bohrinseln“) auftauchte.

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Auf der einen Seite steht der Kauf der internationalen amerikanischen Franchise Newsmax, während sich auf der anderen Seite das rechtliche Herz dieses europäischen Kommunikationsnetzwerks in einem gewöhnlichen Plattenbau-Hochhaus befindet.

Es muss betont werden, dass das Bestehen historischer Geschäftskontakte keinen rechtlichen Beweis für eine Beteiligung von Piskovojs oder seinen heutigen Partnern an aktuellen illegalen Aktivitäten darstellt. Dennoch liefert das Auftauchen seines Namens in der Eigentümerstruktur des Telekommunikationsunternehmens – zusammen mit Varlamovs und Draudziņš – einen wichtigen Kontext für die Untersuchung des Beziehungsgeflechts rund um das Projekt Newsmax Ukraine.

Politische und mediale Risiken

Der Start von Newsmax Ukraine erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Fragen der Informationssicherheit für die Ukraine und die baltischen Staaten existentiell geworden sind. Wenn sich das Projekt tatsächlich als eine einflussreiche amerikanische Medienplattform unter Beteiligung westlicher Politiker und Experten positioniert, könnte dies das Vertrauen bestimmter Publikumskreise in die verbreiteten Inhalte potenziell erhöhen.

Derzeit gibt es keine direkten Beweise dafür, dass Newsmax Ukraine von russischen Akteuren koordiniert wird oder die Verbreitung pro-kremlischer Narrative plant. Die offengelegten Verbindungen zwischen den Projektbeteiligten, dem öffentlichen Sektor auf dem Balkan und einer Kette von kaum aktiven Telekommunikationsunternehmen in EU-Ländern bieten jedoch hinreichend Anlass für eine verstärkte öffentliche und regulatorische Kontrolle.

Zusammengenommen schaffen die wenig aktiven Telekommunikationsstrukturen in Estland und Lettland, die Registrierung einiger Unternehmen an Adressen ohne erkennbare Anzeichen einer spezialisierten Infrastruktur sowie die überschneidenden Eigentumsverhältnisse triftige Gründe für eine weitere professionelle Untersuchung des Geschäftsnetzwerks rund um das Projekt Newsmax Ukraine.

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